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Folgendes stand darüber im Schlitzer
Bote:
Schlitzer Turmbläser in Eckartsberga
Gerne haben wir im Frühjahr zugesagt,
als Christian "als Gast" beim Turmblasen auf dem
Schlitzer Kirchturm vorsichtig anfragte, ob wir denn Lust
hätten, im September zum Waldgottesdienst in seiner
Pfarrei mitzuwirken.
Christian Plötner, seit zwei Jahren
zusammen mit seiner Frau Bettina Pfarrer bzw. Pfarrerin im
Sachsen-Anhaltinischen Eckartsberga, war lange Zeit als
Schlitzer Gewächs Bläser im Ev. Posaunenchor und
ließ es sich seitdem nicht nehmen, zu gelegentlichen
Besuchen in "seinem" Schlitz auf dem Turm
mitzublasen.
Studienhalber hatte es ihn vor Jahren von
Schlitz über Naumburg nach Halle/Saale verschlagen, wo er,
wie das Leben so spielt, seine Studienkollegin Bettina aus
Naumburg kennen lernte und heiratete.
Nun teilen sich beide die Pfarrstelle in
Eckartsberga, wo sie in diesem Jahr ins sehr schön
renovierte Pfarrhaus eingezogen sind.
Am 11. September war es so weit. Verteilt
auf zwei Pkw machten sich Hermann, Hardi, Andreas, Georg,
Günter und Heike auf den Weg in Richtung Hermsdorfer
Dreieck. Vorbei an Eisenach, Erfurt und Weimar streiften wir
den Ettelsberg mit dem alles überragenden Mahnmal des
ehem. KZ Buchenwald und erreichten am späten Nachmittag
mit Hilfe Hermanns Navigationssystems im verwinkelten
Eckartsberga das Plötner'sche Pfarrhaus. "Wirklich,
die Schlitzer sind da!" umarmte uns Christian sichtlich
gerührt. Es gab im sonnenüberfluteten Pfarrgarten
zunächst einmal Kaffee und Plätzchen und viele erste
Fragen hin und her über das Ergehen. Bei der Besichtigung
des idyllisch gelegenen Pfarr- und Gemeindehauses wurden wir
sehr herzlich von Bettina, noch in der Küche zugange,
begrüßt und ein wenig scheu und zurückhaltend
von den Kindern Clara (6) und Johannes (4), die gerade
Kinderbesuch hatten.
In der gegenüberliegenden Kirche wurde
dann flugs noch eine Probe abgehalten, um Christian, der den
Tenorpart übernommen hatte, in den Chor zu integrieren und
uns mit Akustik, Bläserstücken und Instrumenten
vertraut zu machen. Alles kein Problem, wir hatten uns ja gut
zu Hause vorbereitet!
Christian war es wichtig, uns im Anschluss
ein Projekt zu zeigen, das uns "Westler" tief
beeindruckt hat: Als man in dem kleinen Flecken Seena
(Christians und Bettinas Kirchensprengel besteht aus 17 mehr
oder weniger kleinen Dörfchen) 2001 vor der Frage stand,
das winzige barocke Dorfkirchlein abzureißen oder
irgendwie zu erhalten (die Kirchenkassen sind leer), fand sich
eine Handvoll Männer des Dorfes bereit, "ihr"
Gotteshaus in Selbstarbeit und ohne Bezahlung zu retten und
restaurieren. Diese Männer sind Arbeitslose,
Vorruheständler und Rentner und stehen der Kirche nicht
alle unbedingt nahe. Ihre Motive zur Mitarbeit sind daher
höchst unterschiedlich. Was ihnen aber allen gemein ist,
ist ihre große Zufriedenheit und ihr spürbarer
Stolz, aus einer Ruine in über dreijähriger Arbeit
ein Schmuckkästlein gemacht zu haben, das demnächst
in einem Gottesdienst in Anwesenheit des Landesbischofs
eingeweiht und der Gemeinde übergeben wird. Was für
ein Gegenbild zu all dem Genörgele und all den
Jammerorgien landauf und landab!
So hatten wir dann nach einem Abendessen im
Pfarrhaus, wo sehr bekömmliche regionale
Spezialitäten aufgetischt wurden, bis gegen Mitternacht
Gelegenheit, in intensiven Gesprächen einen Einblick zu
erhalten über die Erfahrungen eines jungen
Pfarrerehepaares: es gibt eine Menge an Erfahrungen, die
dankbar und froh stimmen, aber auch Probleme, die belasten und
bedrücken. Eigentlich Strukturen, wie wir sie von den
Pfarrämtern in den alten Bundesländern auch kennen,
sicherlich mit Akzentverschiebungen und Verschärfungen in
den neuen.
Es hatte in der Nacht heftig zu regnen
begonnen und so stellte sich beim Frühstück im
Pfarrhaus die Frage, ob der Gottesdienst überhaupt im Wald
stattfinden könne. Nach einigem Warten und
sorgfältigem Beobachten der Wetterlage entschied man sich,
doch in die Kirche zu gehen, um alle Risiken auszuschalten. Die
Telefondrähte liefen heiß und die Gemeinde wurde
über eine Telefonkette umbestellt.
Bettina hielt die Liturgie, Christian die
Predigt und wir Bläser umrahmten den Gottesdienst mit
alten Bläsermusiken und begleiteten die Gemeindelieder.
Dass es genug Grund gibt, Gott zu loben und zu danken
diesen Kernpunkt der Predigt spürten wir nach dem
Gottesdienst in der Freundlichkeit der Gottesdienstbesucher
mit- und untereinander.
Es bot sich natürlich an, nachdem wir
uns mit Thüringer Roster gestärkt hatten, auf dem
nahe gelegenen Kirchturm einige Choräle zu blasen und mit
dem Schlitzer Lied (Christians Wunsch) verabschiedeten wir uns
von der Gemeinde.
Am "Tag des offenen Denkmals"
ließen wir es uns dann nicht nehmen, im Ort ein
historisches Scharfrichterhaus, eine alte restaurierte
Holländerwindmühle - mit einem ungewöhnlichen
zehnspeichigen Windrad - auf einem nahen Berg und eine fast
100-jährige restaurierte Dampflokomotive zu besichtigen.
Auf allgemeinen Wunsch hin machten wir vor
der Rückreise noch einen Abstecher nach Naumburg und
besichtigten dort den wunderschönen Dom.
Nach einem herzlichen Dankeschön
für die schöne Zeit nahmen wir Abschied von den
Plötners und erreichten spät am Abend Schlitz.
Text: Günter Hohmeier - Fotos: Hermann
Franke
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Gerade angekommen...
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Beim Abendessen
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Auftritt in der Kirche
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Beim Gartenfest
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Turmblasen muss sein...
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Abschiedsständchen...
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